Mai 2015 archive

Heizwesten – Alpenheat und McHeat –

Beitragsbild Heizwesten

Sie halten den Rumpf auf Knopfdruck warm und erinnern an die Heizdecken, die in den 90er Jahren ihren Boom hatten. Quasi eine Heizdecke 2.0, angepasst an die menschliche Ergonomie. Allerdings sind die Wärmespender nicht ganz günstig, denn qualitativ hochwertige beheizbare Westen beginnen ab 150.- €, nach oben keine Grenze gesetzt. Wir durften die beiden Konkurrenzprodukte der Spezialisten für beheizte Kleidung Alpenheat und McHeat testen.

Bei beiden Modellen handelt es sich um Unisex-Westen, die Größenbestimmung erfolgt per Maßtabelle und richtet sich nach Körpergröße, Taille und Schulterbreite. Erhältlich sind sie jeweils in den Größen XS bis XXL, Alpenheat bietet zudem die Übergröße XXXL an. Vertrieben wird die beheizbare Weste von Alpenheat unter dem Produktnamen „Fire Fleece“, erhältlich in den Farben schwarz und olivgrün. Das Produkt vom Regensburger Hersteller McHeat ist unter der Bezeichnung „Beheizte Weste aus Fleece W7771“ in schwarz bestellbar.

Unser erster Eindruck: Während das Produkt von Alpenheat in zwei bedruckten Kartons (Weste und Akku + Ladegerät) geliefert wird, erinnert die Verpackung von McHeat (die sich übrigens gleichzeitig als Aufbewahrungstasche für die warme Jahreszeit eignet) direkt an die Schutzhülle einer klassischen Heizdecke. Transparent, dickwandig mit Reißverschluss. Persönlich finden wir die Kartonverpackung gelungener, sportlicher, rustikaler – doch das ist Geschmacksache und für den Funktionstest unerheblich.

In beiden Fällen wurde die Größe mittels Größentabelle des Herstellers bestimmt, beides Mal passte die Weste perfekt.

AlpenheatDie Weste von Alpenheat besteht zu 100% aus Polyester. Der Fleecestoff ist relativ dünn, kuschelig weich, passt sich gut an den Körper an und eignet sich daher ideal zum Drunterziehen. Ein Gummibündchen unten schützt vor eindringender Kälte. Dieses ist jedoch nicht regulierbar, was aufgrund des körpernahen Schnitts allerdings entbehrlich ist. Ausgestattet ist die Weste mit insgesamt drei Taschen (zwei Seitentaschen, einer Brusttasche), die allesamt per Reißverschluss geschlossen werden. Zipperverlängerungen ermöglichen sogar problemlos eine Bedienung mit Handschuhen. In einem separaten Fach der rechten Seitentasche befindet sich der herausnehmbare, aufladbare 7,4V Li-Ion-Akku. Das Kabel sowie das Heizelement selbst bleiben unter dem Innenfutter verborgen.

Die Wärmeregulierung erfolgt per Knopfdruck über 5 Heizstufen (20%-Schritte) und ist intuitiv. Das Herzstück der Weste, das Heizelement, misst 19cm (Länge) x 30cm (Breite). Es befindet sich auf dem Rücken, beginnt unterhalb der Schulterblätter und erstreckt sich bis zu den Nieren. Hierbei handelt es sich um ein robustes und dennoch leichtgewichtiges Heizzellensystem aus Bio-Thermal-Fasern, das für den Träger bzw. die Trägerin kaum spürbar ist. Laut Hersteller beträgt die Wärmedauer bei niedrigster Stufe bis zu 7,5 Stunden. Diese wird allerdings nur erreicht, wenn der Akku zuvor mehrfach vollständig geladen und entladen wird, was vorher eingeplant werden sollte. Während des Tests macht sich dieser „vorher/nachher-Unterschied“ in der Tat deutlich bemerkbar.

Ganz zur Freude von Hygienefanatikern kann die komplette Weste, incl. Heizelement bei 30°C in der Waschmaschine gewaschen werden. Dafür wird der Akku entfernt und das Kabelende mit einer beiliegenden Gummikappe verschlossen. Die anfängliche Skepsis bzgl. des Maschinenwaschgangs legte sich schnell. Das Fleecematerial pillt auch nach längerer Gebrauchsdauer und mehrmaligen Maschinenwaschgängen nicht, Heizelement und Elektronik zeigten ebenfalls keine Ausfallerscheinungen.

McHeat weist die MateriMcHeatalzusammensetzung seiner Weste mit 87% PES und 13% AF Fleece, einer Polyester-Polarfleece-Mischung, aus. Das Material ist etwas steifer, wind- und kälteabweisend, im Gegenzug jedoch nicht so körpernah wie das obige Vergleichsprodukt. Die Weste ist gerade geschnitten, auffallend sauber vernäht und mit perforiertem Innenfutter ausgestattet. Ein verlängertes Rückenteil sorgt für wohlige Wärme, auch bei Motorradtouren bei aktuell noch frischen Temperaturen. Eine Zippergarage schützt das Kinn vor Wundabrieb.

Zwei Seitentaschen, die per Reisverschluss geschlossen werden, bieten Stauraum für Smartphone, Taschentücher und Lippenpflege. Alle Zipper wurden mit handschuhfreundlichen Verlängerungen ausgestattet. Mittels Gummizug und Zipper lässt sich die Weste am Bundende regulieren, sodass keine kalte Luft von unten eindringen kann. In der linken Tasche befindet sich der rote herausnehmbare, aufladbare 7,4V Li-Ion-Akku. Er verfügt über vier Heizstufen (Low / Mid / High / Max), wobei die jeweils eingestellte Stufe per LED angezeigt wird. Die Energiequelle ist lt. Hersteller gegen Spritzwasser geschützt und im Vergleich zum Konkurrenzprodukt wenige Gramm leichter. McHeat gibt in der niedrigsten Heizstufe eine Heizdauer von 6-7 Stunden an. Anders als Alpenheat stattet McHeat sein Produkt gleich mit drei Heizelementen aus. Ein rund 15,5 cm x 15,5 cm großes Rückenteil zwischen den Schulterblättern und zwei Seitenteile zu je rund 15 cm x 7,5 cm auf Höhe der Taschen. Das ist bei kalten Händen äußerst praktisch, die zum Aufwärmen in die vorgewärmten Taschen gesteckt werden können. Außerdem sorgt die Wärmequelle auf der Frontseite der Weste für ein rundum Wohlgefühl. Die Heiztechnik ist made in Germany, wie uns der Geschäftsführer des Regensburger Unternehmens, Herr Vogler, stolz berichtet. Damit setzt das Unternehmen neben Qualität auch auf kurze Wege. Wer auf eine Weste wert legt, die ausschließlich in der EU gefertigt wurde, wird hier fündig. Die verwendeten Stoffe stammen aus Italien, produziert wurde das gute Stück in Portugal.

Der Hersteller empfiehlt Handwäsche bei max. 30°C mit mildem Waschmittel. Maschinenwäsche ist bei dieser Weste nicht möglich, aufgrund des schmutzunempfindlichen Obermaterials und des Innenfutters jedoch nicht zwangläufig nötig. Akku entfernen, Kabelende eintüten und kurz einweichen. Auch nach mehrmaliger Reinigung funktioniert die Elektronik ohne Einschränkungen.

Beide Westen lassen sich problemlos als Unterzieher tragen und bieten genügend Bewegungsfreiheit. Unseres Erachtens wirkt die Weste von McHeat etwas hochwertiger, wenngleich das Konkurrenzprodukt von Alpenheat sportlicher geschnitten und daher etwas körperbetonter ausfällt. Beide Produkte erfüllen ohne Zweifel ihren Zweck, konnten dem mehrmonatigen Praxistest standhalten und sind vorbehaltlos zu empfehlen.

Anwendungsbereiche sind neben Wintersportaktivitäten auch Motorradtouren im Früh- sowie Spätjahr, Reit- und Jagdsport. Aber ebenso für sämtliche andere Outdooraktivitäten, bei denen der Rumpf schnell auskühlt, sind die Westen ein Genuss. Marktverkäufer, Straßen- und Hafenarbeiter werden sich in die wohlige Wärme verlieben. Auch Rheuma-Patienten schwärmen von der mobilen, ergonomisch angepassten Wärmequelle, zumal sich die beiden getesteten Modelle designtechnisch nicht verstecken müssen.

Letztendlich kommt es – wie so oft – auf die persönlichen Erwartungen und entsprechenden individuellen Vorlieben an, die für eine Kaufentscheidung ausschlaggebend sind. Beide Westen bieten für den jeweiligen Geschmack das Richtige.

*copyright der beiden Produktbilder liegt beim jeweiligen Hersteller